Ein offenes Wort zum Thema Sicherheit, Führung, Partnerschaft & Risikoverteilung

Die Sicherheit beim Klettern, Bergsteigen und Tiefschneefahren ist eine überaus komplexe Aufgabe, die nur von allen Beteiligten gemeinsam bewältigt werden kann. Als Führer agiere ich bei der Vorbereitung und Durchführung von Touren und Kursen nach bestem Wissen und Gewissen und versuche, Entscheidungen möglichst transparent mit der Gruppe zu treffen.

Ein gewisses Risiko liegt aber in der Natur des (Outdoor)Sports, und so ist es ja auch gerade dieser Hauch von Ungewissheit und etwas Abenteuer, was den Bergsport so reizvoll macht. Nur wer bereit ist, sich mit Anforderungen und Risiken sachgerecht auseinanderzusetzen und offen für Unwägbarkeiten ist, wird unnötige Enttäuschungen vermeiden können – denn Bergsteigen ist mehr als Gipfel bezwingen und numerische Schwierigkeiten bewältigen!

So wünsche ich mir das Respektieren der Spielregeln des fantastischen, aber auch oft wilden Gebirges, sowie ein faires und partnerschaftliches Umgehen miteinander am Berg.

Dazu gehört selbstverständlich auch, euch offen über konkrete Gefahren aufzuklären, damit wir uns bewusst mit ihnen auseinandersetzen können. Denn sie sind meist kein gemeines, übles „Restrisiko“ – wir stellen uns ihnen freiwillig!

Hierzu einige Beispiele:

Absturzgefahr:
„Wo ein Berg da auch ein Tal…“ Auf bereits technisch einfach zu begehenden Wanderwegen im alpinen Gelände kann Unachtsamkeit oder Stolpern an der falschen Stelle fatale Auswirkungen haben. „Trittsicherheit“ ist also keine leere Floskel, sondern beschreibt ein ganz konkretes und oft präsentes Gefahrenpotential.

Regen, Schneefall, Sturm, Gewitter, Lawinen:
Die Wetterentwicklung ist nur z.T. vorhersehbar und erst Recht nicht beeinflussbar. Wenn wir uns auf Sonnenschein und Powder freuen sollten wir auch mit dem Gegenteil umgehen können und flexibel bzw. offen für Alternativen sein. Nur so lässt sich das Risiko für Leib und Leben reduzieren (aber niemals zu 100% ausschalten).
Das Lawinenrisiko v.a. im Winter und im Hochgebirge stellt eine besondere Gefahr dar, welcher wir uns auch bei geführten Touren und Ausbildungskursen stellen müssen. Auch mit großem Wissen und modernster Technik sind Lawinenabgänge nicht in Zeit UND Ort genau vorhersehbar. Ja / Nein – Entscheidungen basieren daher immer auf Gefahrenprognosen und Risikoabschätzungen!

Stein- und Eisschalg:
sind in Zeiten von Global Change und Klimaerwärmung nicht weniger geworden.

Spaltensturz:
Trotz Seilverwendung ist ein gewisses Verletzungsrisiko bei einem Spaltensturz nicht ausgeschlossen. Und beim Befahren winterlicher Gletscher mit Ski kann selbst bei guten Bedingungen das Spaltensturzrisiko nicht zu 100% vermieden werden.

Höhenanpassung:
Selbst in den mittleren Höhenlagen unserer Alpen kann es bereits zu Anpassungs- und damit zu Gesundheitsproblemen kommen. Im Fall des Falles hilft auch hier nur Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und der Gruppe, um rechtzeitig ernsthafte Schwierigkeiten zu vermeiden.

Angemessene Vorbereitung und realistische Selbsteinschätzung …
sind der beste Schutz vor Überforderung, erhöhen den Spaß und mindern das Verletzungsrisiko.

Last but not least kann Menschliches Versagen im falschen Moment auch in der vermeintlichen sicheren Kletterhalle / Kursumgebung zu ernsthaften Folgen führen.